Lola Güldenberg sagt die Trend-Farben 2009 voraus
Im Interview mit Digest online sagt Lola Güldenberg die Farben der Zukunft voraus
Rot bedeutet Orange
DIGEST: Seit wann gibt es den Farbreport? Was brachte Sie überhaupt auf die Idee, einen Farbreport zu erstellen?
Lola Güldenberg: Den Farbreport gibt es seit 2004. Ausschlaggebend war ein Vortrag auf der Mailänder Möbelmesse, den ich zum Thema Farben gehalten habe. Die Resonanz war so groß, dass ich mich entschloss, das Thema weiter zu erforschen.
DIGEST: Wie sind die acht Farbwelten ihres Farbreports entstanden, was zeichnet diese aus und welche Rückschlüsse können Hersteller und Händler daraus ziehen?
Güldenberg: Das ganze Jahr hindurch legen wir Farbtagebücher an, dokumentieren unsere Beobachtungen von internationalen Messen oder Ausstellungen, werten Zeitschriften oder Studien aus und erarbeiten eine Kartografie des bevorstehenden Jahres. Diese Eckdaten aus den Bereichen Kunst, Kultur, Wissenschaft bis hin zu Sport oder Musik helfen bei der Auswahl der Themenwelten. Nicht zu vergessen das Archiv der Life-Souvenirs. Kontinuierlich sammeln wir Dinge, die uns zufällig begegnen. Das können halb verkohlte Strohblumen oder Deckel von Joghurtbechern sein. Alles, was einen Farbbezug hat und ein Indiz für eine Themenwelt darstellt, wird aufgenommen. Schließlich besitzt jede Idee, jede Marke, jedes Produkt einen eigenen Farbkanon. Wir konfrontieren diesen mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und erarbeiten so neue Farbkonzepte. Natürlich fließt auch die Konsumentenforschung ein, der zweite Geschäftsbereich meines Unternehmens, die wiederum die gesamte Arbeit erdet.
Kurz gesagt – wir verbinden gesellschaftliche Strömungen mit der Farbforschung und visualisieren sie in eingängigen Farbpaletten. Unsere Paletten wirken langzeitlicher und klären auf, woher manche Trends stammen. Händler und Hersteller können nun besser verstehen, was die Treiber hinter den Trends sind. Warum zum Beispiel das Thema Natur technologischer und kühler inszeniert wird. Folgend geben wir ihnen eine Orientierung, wenn sie die Messehallen durchforsten und z.B. für ihren Laden einkaufen oder sich mit den nächsten Entwürfen von Geschenkpapier beschäftigen müssen.
DIGEST: Am Anfang Ihres Farbreport 2009 steht: „Grün bedeutet Blau. Rot bedeutet Orange.“ Ändern sich denn im Laufe der Zeit die Bedeutungen von Farben?
Güldenberg: Auf jeden Fall. Früher galt Rot als die Protestfarbe schlechthin. Inzwischen löst Orange das Rot ab. Viele Internetplattformen mit einem Orange als Akzentfarbe und viel, viel Weiß. Gerade das Internet eignet sich hervorragend, Protest kundzutun. Und sei es nur in Form selbst geschriebener Rezensionen oder Restaurantkritiken.
DIGEST: Wie kann man Ihren Farbreport beziehen? Und was kostet er?
Güldenberg: Der Farbreport wird einmal im Jahr in Berlin präsentiert. Nächster Termin für die Farben 2010 sind der 5. Februar und der 7. Februar 2009. Diese Veranstaltung ist kostenlos (Um Voranmeldung wird jedoch gebeten). Wer die Inhalte vertiefen möchte, kann über die Website lola-gueldenberg.com das Begleitbooklet zum Vortrag für 48,35 Euro bestellen, inklusive farbechter Baumwollstoffmuster und genauer Pantone-Bezeichnung.