Gicht, eine ernährungsbedingte Zivilisationskrankheit
Stoffwechsel auf Kristallisationskurs
Wegen der in den westlichen Industrienationen sehr fleischlastigen Ernährung nimmt die Zahl der Menschen mit erhöhten Harnsäurewerten im Blut (Hyperurikämie) weltweit zu. Männer erwischt es wesentlich häufiger als Frauen. In den westlichen Ländern sind rund 20 Prozent des starken Geschlechts betroffen. Frauen werden bis zu den Wechseljahren weitgehend durch die weiblichen Hormone geschützt. Danach können sie bei entsprechender Veranlagung und purinreichen Ernährungsgewohnheiten ebenfalls eine Hyperurikämie bzw. Gicht entwickeln.
Stoffwechselprodukt als Krankheitsursache
Harnsäure entsteht im menschlichen Organismus durch den Abbau der Purine Adenin, Hypoxanthin, Guanin und Xanthin, die als Bausteine von Nukleinsäuren dienen. Mit Hilfe des Enzyms Xanthinoxidase, aus Hypoxanthin oder Xanthin gebildet, ist Harnsäure das Endprodukt des Purinstoffwechsels. Sie wird zu etwa 75 Prozent über die Nieren und nur in geringen Mengen über den Darm mit dem Stuhl ausgeschieden. Gleichzeitig bekommt der Körper über tierische und pflanzliche Lebensmittel Purine zugeführt, die er ebenfalls zu Harnsäure verstoffwechselt.
Überangebot
Purine und Harnsäure sind eigentlich unschädliche Stoffe. Ist das Gleichgewicht zwischen Harnsäurebildung und -ausscheidung gestört, fällt das Produkt jedoch in zu hohe Konzentration im Organismus an. Von einer Hyperurikämie spricht man, wenn die Werte über 6,5 mg/dl Blut liegen. Wird ihr Löslichkeitsprodukt überschritten, fällt Harnsäure in Form von Natriumuratkristallen (Harnsäuresalzkristalle) im Gewebe, in der Blutbahn oder in den ableitenden Harnwegen aus.
Bei einem Harnsäureüberhangangebot lagern sich mit der Zeit Kristalle in Schleimbeuteln, Gelenken, an Knochen, Sehnen und Ohrknorpeln oder unter der Haut ab und verursachen Entzündungen. In den Nieren können Uratkristalle die Nierenkanälchen verstopfen oder zur Bildung von Nierensteinen beitragen. Die Neutralisierung des Harns auf pH-Werte von 6,2 bis 6,8 verringert die Gefahr von Harnsäureausfällungen. In Abhängigkeit von der Höhe der Harnsäurekonzentration im Blut steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit einer Gichtattacke. Der erste Anfall wird häufig durch ein reichhaltiges Essen, starken Alkoholgenuss, Infektionskrankheiten oder ungewohnte körperliche Anstrengung hervorgerufen.
Primäre und sekundäre Gicht
Medizinisch unterscheidet man primäre (familiäre) Hyperurikämien von sekundären Formen. Die primäre Form beruht auf einer erblich bedingten Störung des Purinstoffwechsels, bei der entweder die Bildungsrate von Harnsäure erhöht oder ihre Ausscheidung über die Nieren gestört ist.
Sekundäre Gichtformen treten als Komplikationen von Krankheiten und Therapieformen auf, in deren Folge große Mengen an Nukleoproteinen im Körper um- bzw. abgebaut werden.
Ernährungstherapie
Um Gichtattacken, Gelenk- und Nierenschäden zu verhindern, wird eine dauerhafte Senkung der Harnsäure im Blut angestrebt. Die Basis jeder Gichttherapie bildet die Ernährungsumstellung. Allein dadurch lassen sich die Werte um bis zu 20 Prozent senken.
Weil der typische Gichtpatient meist einige Pfunde zu viel mit sich herumträgt, sollte man versuchen, den Body-Mass-Index (BMI) unter 25 kg/m2 zu senken.
Hyperurikämische Patienten sollten täglich nicht mehr als 100 bis 150 Gramm Fisch, Fleisch oder Wurst zu sich nehmen. Magere Milchprodukte decken purinarm den täglichen Eiweißbedarf. Purinbomben wie Innereien gehören komplett vom Speisezettel gestrichen. Das gilt ebenfalls für bestimmte Gemüsesorten, zum Beispiel Rosenkohl oder Schwarzwurzeln. Auch der Alkoholkonsum ist stark einzuschränken.
Tipp:
Besser kochen als braten
Wer ab und zu ein Stück Fleisch oder Fisch braucht, sollte die gekochten und gedünsteten Varianten bevorzugen und das Kochwasser anschließend verwerfen. Beim Garprozess gehen wasserlösliche Purine aus Fleisch und Fisch in den Sud über. Da beim Erhitzen in Wasser mehr Purine als beim Braten aus dem Kochgut gelöst werden, eignet sich die gedünstete Zubereitungsform besser für purinarme Kostformen.
Getränke
Reichlich Flüssigkeit hält die Harnsäurekonzentrationen im Urin niedrig und beugt der Bildung von Harnsäurekristallen und Nierensteinen vor. Erlaubt sind Kräuter- und Früchtetees, Mineralwasser oder verdünnte Obst- und Gemüsesäfte. Kaffee, schwarzer und grüner Tee sowie Schokolade dürfen entgegen früherer Empfehlungen ebenfalls in Maßen getrunken werden, da ihre Inhaltsstoffe nicht zu Harnsäure abgebaut werden.
Getreideprodukte, Kartoffeln, Reis
Getreideprodukte in Form von Brot und Teigwaren, aber auch Kartoffeln oder Reis sind purinarme, kohlenhydratreiche Lebensmittel.
Milchprodukte und Eier
Wird der Eiweißbedarf statt durch Fleisch und Fisch mit Milchprodukten gedeckt, reduziert sich die Purinzufuhr erheblich. Täglich und ohne Bedenken dürfen Joghurt, Quark, Molke oder magere Käsesorten verspeist und Milch getrunken werden. Auch hin und wieder ein Ei ist erlaubt.
Obst und Gemüse
Die meisten Obst- und Gemüsesorten sind kalorien- und purinarm und versorgen den Körper mit Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen. Purinreich und damit ungünstig sind Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen und Linsen oder Kohl und Rosenkohl. Hefeflocken und -extrakte enthalten reichlich Purine. Weil Zuckeraustauschstoffe die Harnsäurepegel erhöhen können, sind auch hier nur kleine Mengen erlaubt.
Quelle: Das PTA Magazin 12//2007
Lichtschutz – UV Schutz vor Sonne
Den Gefahren der UV-Strahlung wirksam begegnen
Natürliche und künstliche UV-Strahlung lässt die Haut nicht nur schneller altern, sondern ist auch der Auslöser Nr. 1 des Plattenepithelkarzinoms (Spinalioms) der Haut, einer Form von „hellem Hautkrebs“ (eine weitere ist das Basaliom). Experten warnen seit langem vor dieser Gefahr und empfehlen eine effektive Prävention. Nach aktuellem Kenntnisstand kann die Anwendung von Sonnenschutzmitteln einen Beitrag zur Verhütung dieser weiterhin rasant zunehmenden Hautkrebsform leisten.
Die ultraviolette Strahllung macht im Spektrum der Globalstrahlung mit 0,5 % (UV-B) sowie 5,6 % (UV-A) nur einen Bruchteil im Vergleich zur sichtbaren Strahlung (Licht, ca. 52 %) und zu Infrarot( 42 %) aus, erläuterte Prof. Christian Surber von der Dermatologischen Universitätsklinik Basel. Die Intensität der UV-Strahlung, gemessen an der Erythemschwellenzeit, hängt von der geographischen Breite ab. Sie liegt z.B. am zehnten Breitengrad bei etwa 20 Minuten und am 50. Bei 100 Minuten.
Sehr markant sind die Tages-und Jahreszeit-abhängigen Schwankungen in der Intensität der UV-Strahlung. Als weitere bedeutende, bei der Prävention zu selten berücksichtigte Einflussfaktoren auf die Strahlungsintensität nannte Surber die Höhenlage, das Wetter und die Reflexion. So steigt mit zunehmender Höhe die Intensität von UV-A und UV-B – Strahlung unterschiedlich und liegt in 2000 m Höhe z.B. 127 % bzw. 135 % über der Strahlung auf Meeresspiegelhöhe – die aktuelle lokale wetterbedingte UV-Strahlungsintensität (ÄUV-Index 1 bis 4) kann unter www.uv-index.de abgerufen werden. Durch Reflexion erhöht sich die Strahlungsintensität z.B. am Wasser um 50%, im Schnee um bis zu 90%.
Natürlicher Schutz reicht nicht
In Anpassung an unsere Lebensbedingungen haben wir einen natürlichen Schutz gegenüber der UV-Strahlung entwickelt. Zunächst werden relativ rasch Pigmente gebildet. Innerhalb von etwa drei Tagen sind erste Effekte der sog. Lichtschwiele nachweisbar, erklärt Surber. Eine Lichtschutzwirkung wird auch für die UV-Einstrahlung aus Histidin entstehende Urocaninsäure diskutiert. Wenn das aber z.B. bei intensiver Sonneneinstrahlung nicht ausreicht, kann der Schutz durch die topische Applikation von Lichtschutzprodukten erhöht werden.
Entscheidend für die Schäden, die Strahlung an und in der ungeschützten Haut verursacht, ist u.a. deren Eindringtiefe. UV-B-Strahlen dringen bis in die Epidermis ein, UV-A-Strahlen bis in die Dermis, die Infrarotstrahlung noch sehr viel tiefer. In der Haut kann die Strahlung dann positiv (z.B. UV-B durch Vitamin-D-Bildung aus 7-Dehydrocholesterol), vor allem aber negativ wirken: Als sichtbarer Ausdruck einer akuten Schädigung tritt in Abhängigkeit vom Hauttyp mehr oder weniger rasch Sonnenbrand auf. Kommt es wiederholt – vor allem in der Kindheit – zu starken Sonnenbränden, ist im Sinne einer Eskalation heller Hautkrebs als chronischer UV-Schaden vorprogrammiert.
3-H-Regel: Hut – Hemd – Hose
Spannende Zukunftsaussichten für den Sonnenschutz sieht Surber in systemischen Optionen. Für diese Variante sprechen der gleichmäßige Schutz des ganzen Körpers und der Vorteil, dass kein Schutzverlust durch Schwitzen, Waschen oder Abrieb auftreten kann. Zwar gibt es bereits Produkte, die dieses erstrebenswerte Ziel durch Antioxidantien, Reparatur-Induktion, UV-absorbierende Substanzen und die Unterdrückung zellulärer Reaktionen zu erreichen versuchen; mit einer überzeugenden Realisierung eines solchen Prinzips ist aber in naher Zukunft nicht zu rechnen. Unter diesen Umständen bleibt es bis auf weiteres dabei, dass man beim Aufenthalt in der Sonne auf Textilien Schutz nach der 3-H-Regel (Hut – Hemd – Hose) achten und ansonsten einen effektiven topischen Lichtschutz anwenden sollte.
Qualitätskriterien von Sonnenschutzmitteln
Ein topisches Sonnenschutzmittel muss einige Anforderungen erfüllen. Wichtig ist z.B. eine gute Photostabilität, d.h. die Schutzleistung darf durch die Sonneneinstrahlung nicht verloren gehen. Das kann durch Kombination verschiedener Filter erreicht werden. Eine entscheidende Rolle spielt der Sonnenschutzfaktor (SSF) eines Mittels. Er gibt an, wie viel mal länger man mit einem Sonnenschutzmittel in der Sonne bleiben kann, bevor ein Sonnenbrand entsteht, als ohne Sonnenschutz. Nach einer neuen EU-Empfehlung entsprechen die vier Kategorien „geringer Schutz“ bis „sehr hoher Schutz“ einem SSF von „6-10“ bis „50+“. Ein weiteres Qualitätskriterium ist die Wasserfestigkeit. Nach zweimal 20 Minuten Aufenthalt in bewegtem Wasser müssen mindestens 50 % des Schutzes erhalten sein. Die Realisierung all dieser Anforderungen steht und fällt nach den Worten Surbers mit der Formulierung bzw. der Summe der Ingredienzien und ihrem Zusammenwirken. Andererseits muss das erfahrungsgemäß sehr schlechte Sonnenschutz-verhalten der Bevölkerung berücksichtigt und die Anwendertreue verbessert werde. Das A und O eines effektiven Sonnenschutzes sind deshalb „supergute“ innovative Formulierungen mit einem hohen bis sehr hohen Sonnenschutz, die auch eingesetzt werden.
Quelle: Textauszüge aus Derma-Depesche 5/2008/GFI München
Infantizid – Wie können Kindstötungen verhindert werden?
Was treibt eine depressive Mutter zum Infantizid?
Frauen, die ihr Baby töten, werden oft mit dem Wahn geleitet, das Kind vor Schlimmerem bewahren zu müssen. Gefahr besteht aber auch, wenn bei postpartaler Depression eine ausgeprägte Beziehungsstörung der Mutter zum Kind auftritt.
Eine 32-jährige Frau wurde vom Notarzt in die Psychiatrie eingewiesen, nachdem sie der Polizei gemeldet hatte, sie habe ihr zehn Wochen altes Kind getötet. Die Mutter eines siebenjährigen Sohnes und einer fünfjährigen Tochter gab an, das Baby, ein Mädchen, habe von Anfang an viel geschrien und Probleme beim Stillen gemacht. Sie, die Mutter, sei erschöpft und verzweifelt gewesen, vor allem, weil das Kind nicht richtig zunahm und sie sich schuldig fühlte. Sie merkte, dass sie wieder in eine Depression rutschte (wie nach der ersten Entbindung). Bald drehten sich ihre Gedanken darum, wie sie das Kind loswerden könnte. Sie bat ihren Mann, es adoptieren zu lassen. Dieser war nach einem langen Gespräch der Überzeugung, dass sie wieder Mut gefasst hätte und es ihr in der Folge besser ginge. Die Patientin dagegen fühlte sich völlig erschöpft. Gedanken an einen erweiterten Suizid kamen auf, die sie jedoch wegen der beiden größeren Kinder verwarf. In der zehnten Woche nach der Geburt erstickte sie das Kind mit einer Windel während des Stillens.
Beziehungsstörungen der Mutter dem Kind gegenüber sind bei depressiven Frauen nicht selten. Das Risiko für Übergriffe auf das Kind scheint zuzunehmen, wenn schwere Erschöpfung und Beziehungsstörungen zusammentreffen. Wichtig neben der Behandlung der Depression ist eine interaktionale Therapie zum Aufbau einer positiven Mutter-Kind-Beziehung. (EH)
Hornstein C et al.: Infantizid als Folge einer postpartalen Bindungsstörung. Nervenarzt 78 (2007) 580-583 (Anschrift: Dr. C. Hornstein, Psychiatrisches Zentrum Nordbaden, Lehrkrankenhaus, Heidelberger Strasse 1a, 69168 Wiesbaden)
Quelle: Praxis-Depesche 02/2008
Wie können Kindstötungen verhindert werden?
Ein erster Ansatz wäre eine genaue Hinterfragung durch den behandelnden Psychiater. Einer neuen Studie zufolge berichten 41% der depressiven Frauen mit Kindern unter drei Jahren über Tötungsgedanken. Fast drei Viertel der Mütter, die ihr Kind / ihre Kinder umbringen, sind zum Zeitpunkt der Tat in psychiatrischer Behandlung.
Über 200 Psychiater in den USA wurden mittels Fragebogen zu ihrem Wissen und Umgang mit dem Thema befragt.
Mehr als die Hälfte der Ärzte schätzte die Zahl der potenziellen Täterinnen mit weniger als 25% deutlich zu niedrig. Weniger als ein Drittel tippte richtig auf 25 bis 50%. Dabei wollten nur etwas 70% von ihren Patientinnen überhaupt wissen, ob sie Kinder in ihrer Obhut hatten. Die meisten fragten wenn, dann nur nach allgemeinen Tötungsabsichten, weniger als 50% auch nach filicidalen Gedanken, und nur 20% sprachen das Thema bei jedem Kontakt an. Suizidale Mütter wurden eher auf derartige Ideen angesprochen als psychotische. Über die Medien bekannt gewordene spektakuläre Fälle von Kindstötungen veranlassten einen Großteil der Ärzte, von da an routinemäßig nachzufragen, während 16% trotz der Berichte weiterhin ganz darauf verzichten.
FAZIT: Offenbar sind sich viele Psychiater nicht bewusst, wie häufig psychisch kranke Mütter daran denken, ihre Kinder zu töten. Sie sollten besser über die Prävalenz solcher Ideen wissen und sich vor allem trauen, regelmäßig danach zu fragen. (DS)
Friedmann SH et al.: Psychiatrists’ knowledge about maternal filicidal thoughts. Compr Psychiatry 49 (2008) 106-110 Bestellnummer der Originalarbeit 080168
Quelle: Praxis-Depesche 03/2008
Aktuelle Studie zum Stillverhalten analysiert Stillraten und Ursachen für vorzeitiges Abstillen.
Nur 21% der Mütter stillen sechs Monate voll
Stillen ist für Babys der beste Start ins Leben. Das wissen rund 90% der Mütter. Nach den Empfehlungen der WHO sollten Babys sechs Monate voll gestillt werden. So schützt Stillen nicht nur kurzfristig vor Infektionen auch langfristig wird u.a. das Risiko, an Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder erhöhten Cholesterinwerten zu leiden wissenschaftlich deutlich gesenkt. Trotzdem ergaben die jetzt veröffentlichten Ergebnisse einer umfangreichen Studie zum Stillverhalten (Quelle “Stillverhalten in Bayern – 2008 nachgefragt, siehe Studie zum download), dass im vierten Monat nur noch rund die Hälfte der Mütter ausschließlich stillen und im sechsten Monat lediglich 25 % der Babys in den vollen Genuss der Muttermilch kommen. Die analysierten Gründe sind vielfältig – mit 40% überwog jedoch bei den Befragten das Argument, dass Flaschenfütterung bequemer und die Frauen flexibler seien. Dabei schließt sich Stillen und Flexibilität der Mutter nicht aus: Philips AVENT, der Experte für gesunde Babyernährung, unterstützt Mütter beim Stillen und Abpumpen wertvoller Muttermilch. Mit dem durchdachten Philips AVENT Ernährungssystem können Mütter Stillen und Flaschenernährung problemlos und praktisch kombinieren.
Studie über das Stillen
„Stillverhalten in Bayern“ – 2008 nachgefragt
Stillen ist die beste und natürlichste Ernährung für alle gesunden Säuglinge. Wissenschaftlich
nachgewiesen sind die vielen gesundheitlichen Vorteile für Mutter und Kind. So schützt
Stillen nicht nur kurzfristig, in den ersten sechs Lebensmonaten vor gastrointestinalen und
respiratorischen Infektionen sondern auch langfristig wird das Risiko für späteres
Übergewicht bzw. Adipositas und chronisch entzündliche Darmerkrankungen gesenkt. Wer
als Baby gestillt wurde, hat als Erwachsener niedrigere Cholesterinwerte und weniger
Gefäßablagerungen und ist somit besser vor Herz- und Kreislauferkrankungen geschützt.
Stillen ist auch einer der Faktoren, der u. a. das Risiko eines plötzlichen Säuglingstod (SIDS,
Sudden Infant Death Syndrome) verringern kann.
Ziel der im Jahre 2005 und 2006 durchgeführten Studie zum „Stillverhalten in Bayern“ war
es,
• Grundlagen für Präventionsziele der bayerischen Gesundheitspolitik zu schaffen,
• den Ist-Zustand zu Stillraten, Stilldauer und zum Stillverhalten zu ermitteln, um damit
• zielgerichtete Stillförderungsmaßnahmen – im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft
Stillen – durchführen zu können.
Zu Beginn der Studie besaßen 68 Prozent der Mütter Informationen zum Thema Stillen, 22
Prozent hatten bereits Erfahrung mit dem Stillen und 10 Prozent hatten aus verschiedenen
Gründen keine Informationen zum Stillen.
Informationsquellen zum Thema Stillen vor der Geburt des Kindes waren in erster Linie
Printmedien und Fernsehen, gefolgt von Geburtsvorbereitungskursen,
Hebammen/Stillberaterinnen und u. a. Familie/Freunde.
Die anfängliche Stillquote betrug 90 Prozent. Im zweiten Monat stillten noch zwei Drittel der
Mütter ausschließlich (ohne Zufütterung anderer Flüssigkeiten oder Nahrungen) oder voll (in
dieser Gruppe erhielten die Babys neben Muttermilch nur zusätzlich Flüssigkeiten).
Im zweiten Monat nach der Geburt stillten ca. 60 Prozent der Mütter voll oder ausschließlich,
im vierten Monat wurden noch ca. 52 Prozent der in die Studie involvierten Babys an der
Mutterbrust ernährt, im 6. Monat noch ca. 25 Prozent.
Der wichtigste Einflussfaktor auf die Stilldauer sind Stillprobleme. Dies deutet auf ein
Verbesserungspotenzial im Management von Stillproblemen hin.
Nach den Empfehlungen der Stillkommission und der WHO sollten Babys sechs
Monate lang ausschließlich gestillt werden, um anschließend mit einer zeitgerechten
Einführung der Beikost zu beginnen. Dieser Empfehlung folgten allerdings
nur noch 21 Prozent der in Bayern befragten Mütter. Dennoch bedeuten auch diese
Zahlen einen riesigen Fortschritt, wenn man sie mit der Stillhäufigkeit vor 30 Jahren
vergleicht: Damals wurden nur 39,4 Prozent der Babys über den Klinikaufenthalt
hinaus gestillt, und nur 5,7 Prozent der Kinder bekamen länger als drei Monate die
Brust.
Mütter, die nicht stillen wollten – dies waren ca. 10 Prozent der Befragten – gaben u. a.
folgende Gründe für Ihre Entscheidung an:
• Flaschenfütterung sei bequemer (40 Prozent),
• frühere Stillprobleme (30 Prozent),
• rascher Wiedereinstieg in den Beruf (27 Prozent),
• Stress/Probleme zu Hause,
• auf Wunsch wieder rauchen und Alkohol trinken zu wollen,
• eigene Gesundheitsprobleme,
• Sorge um eine Änderung der Brustform,
• der Partner lehne das Stillen ab.
Fragen zu den Stillgewohnheiten, zum Beispiel wann zum ersten Mal, wie oft das Baby
angelegt wurde und wie die Unterstützung durch das Umfeld in der Klinik sowie im
familiären Bereich war, ergaben die Schlussfolgerungen, dass:
• eine Verbesserung von zielgerichteten Informationen von Müttern und Vätern vor der
Geburt, unmittelbar nach der Geburt und zu Hause sich positiv auf die Stillquote und
den Stillerfolg auswirken kann,
• insbesondere die „Nicht-Stillenden“ verstärkt angesprochen werden sollten,
• die Öffentlichkeit stärker sensibilisiert werden sollte, um Vorurteilen zu begegnen und
die Vorteile des Stillens transparenter zu machen.
Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass der Partner einen großen Einfluss auf das
Stillverhalten der Mutter hat. Wünschenswert ist es daher, den Partner durch verbesserte
Aufklärung und Information ebenso für das Stillen zu begeistern, wie die werdende Mutter.
Die Bayerische Stillstudie zeigte, dass die Stillraten sowohl in der Klinik als auch im späteren
Verlauf zu Hause regional sehr unterschiedlich sein können. Entscheidend für den
Stillwunsch der Mutter waren – neben vielen anderen Faktoren – die Betreuung der Mütter
durch das Gesundheitspersonal.
Stillen und Berufstätigkeit
Um die Situation der Mütter und ihre Beruftätigkeit besser zu beleuchten wurde im Rahmen
der „Bayerischen Stillstudie“ der Aspekt: „Stillen und Berufstätigkeit“ beleuchtet.
Hintergrund waren die Stillförderungsmaßnahmen nach dem EU-Aktionsplan, flexible
Arbeitszeiten zu ermöglichen, den Schutz des Arbeitsplatzes zu garantieren und gesetzlich
verankerte Stillpausen zu ermöglichen.
Die Arbeitgeberumfrage (81 Firmen mit mehr als 1000 Mitarbeiter mit einer Teilnahme von
27 Prozent und 8 Behörden mit einer Teilnahme von 61 Prozent), hierzu ergab:
• 75 Prozent der Behörden und 86 Prozent der Firmen sehen keinen Bedarf für
Stillförderung am Arbeitsplatz
• 78 Prozent der Firmen glauben nicht, dass bei der Entscheidung zur Rückkehr an den
Arbeitsplatz die Möglichkeit, am Arbeitsplatz zu stillen, eine Rolle spielt.
Von den in der Stillstudie befragten Müttern (3074) hatten ca. 27 Prozent in den ersten 9
Monaten nach der Geburt eine Erwerbstätigkeit aufgenommen, wobei über 90 Prozent der
erwerbstätigen Mütter teilzeitbeschäftigt waren. 63 Prozent der Mütter stillen im 4. Monat
während der Erwerbstätigkeit, im 6. Monat noch über die Hälfte ausschließlich, voll und
teilweise. Von fast 90 Prozent der Mütter wird die Toleranz von Vorgesetzen und
Arbeitskollegen, am Arbeitsplatz zu stillen als gut oder sehr gut beschrieben
Eine Befragung in Nordrhein-Westfalen (telefonische Bevölkerungsbefragung von Oktober
bis Dezember 2005) ergab, dass mehr als 70 Prozent der Befragten organisatorische
Erleichterungen für Stillende ebenso befürworten, wie die im Mutterschutzgesetz
vorgesehenen Regelungen, wie z. B. Stillpausen ohne Verdienstausfall. Dennoch besteht eine
deutliche Diskrepanz zu der hohen Befürwortung des Stillen. Möglicherweise sind die
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Empfehlungen der Nationalen Stillkommission zur Vereinbarkeit von Stillen und
Berufstätigkeit unzureichend bekannt.
Die Ergebnisse der Stillstudie führten dazu, dass die WHO und UNICEF mit dem
Programm „Zehn Schritte zum erfolgreichen Stillen“
[http://www.euro.who.int/nutrition/Infant/20020808_1] die Rahmenbedingungen in
Geburtskliniken verbessern und so das Stillen unterstützen will. Die Einführung dieser
„Schritte zum erfolgreichen Stillen“ konnte die Stillqoute erhöhen, wie eine randomisierte
Interventionsstudie bewies. Auch eine gezielte Weiterbildung des Gesundheitspersonals
führte zu einer Verbesserung der Stillraten.
Die Europäische Kommission strebt mit dem Aktionsplan „Schutz, Förderung und
Unterstützung des Stillens in Europa“ eine Verbesserung der Aus- und Weiterbildung
aller Gesundheitsberufe zum Thema Stillen an.
Vor diesem Hintergrund wird durch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und
Lebensmittelsicherheit eine „Studie zum Ernährungsverhalten im Säuglingsalter – STELLA“
durchgeführt. Es ist ein Interventionsprojekt zur Verbesserung der Stillbedingungen in einer
Modellregion in Bayern. Gefördert wird das Projekt vom Bayerischen Staatsministerium für
Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz im Rahmen der Gesundheitsinitiative
Gesund.Leben.Bayern. Die Laufzeit des Projektes ist von 2007 bis 2010 vorgesehen.
Ziel der Studie ist es, in einer Modellregion Bayerns mit unterdurchschnittlichen Stillraten das
Wissen rund um das Thema Stillen beim Personal von Geburtskliniken, bei Hebammen und
bei weiteren Berufsgruppen das Stillmanagement zu verbessern. Stillquoten und Stilldauer
sollen so erhöht werden.
Als besonderer Schwerpunkt der Schulungen sind unter anderem die Beratung von Müttern
mit Stillproblemen sowie die Beratung von bestimmten Risikogruppen wie z.B. Raucherinnen
vorgesehen.
Drei Monate nach Abschluss dieses Projektes werden die Ergebnisse evaluiert und mit den
Ergebnissen, die in der Studie „Stillverhalten in Bayern“ in Beziehung gesetzt.
Möglichkeiten und Grenzen der Stillförderung – ein kurzer Über- und Ausblick
• Informationen über die Vorteile des Stillens an alle Schwangeren und deren Partner
und Familien
• Stillförderung im Krankenhaus
24-Stunden-Rooming-in;
Vermeidung von nicht medizinisch induzierter Zufütterung von Formula und
zusätzlichen Flüssigkeiten;
Vernetzung von stationärer Erstversorgung mit der ambulanten Hebammennachsorge
ist wünschenswert;
• Verbesserung des Stillmanagements – entsprechend des EU-Aktionsplans:
Aus-, Fort- und Weiterbildung aller Berufsgruppen, die in der Betreuung von Mutter
und Kind eingebunden sind (Hebammen, Kinderkrankenschwestern, Ärzten)
• Stillförderung in der Kinderarztpraxis
Zur Förderung der Prävention, insbesondere die Förderung des Stillens und der
Gesundheit der Kinder bietet der direkte Kontakt zwischen Kindern, Eltern,
Arzthelferinnen, Kinderkrankenschwestern und Ärzten in Kinderarztpraxen
hervorragende Möglichkeiten – gerade auch vor dem Hintergrund der
Inanspruchnahme der Vorsorgeuntersuchungen mit einer Teilnahme von weit über 90
Prozent.
Das Potenzial in der Kinderarztpraxis ist jedoch zeitlich begrenzt, denn in der Regel
gelten die Arztpraxen als ausgelastet.
Hier unterstützt das „Netzwerk Kindergesundheit und Umwelt“ (www.kinderagenda.
de, Kursangebot: „Präventionsassistentin“ unter: www.netzwerkkindergesundheit.
de ), ein Zusammenschluss von ca. 30 Initiativen und Verbänden aus
den Bereichen Umweltschutz und Kindergesundheit sowie medizinischallergologischen
und medizinisch-ökologischen Gruppierungen, die Fortbildung von
Arzthelferinnen und Kinderkrankenschwestern in präventivmedizinischen Themen.
Ziel ist eine verbesserte Gesundheitskompetenz der Eltern in präventiven Themen
über mehr Informationen und Unterstützung.
• Reduzierung der Stillprobleme
Korrektes Anlegen des Säuglings und Wechsel der verschiedenen Stillpositionen
fördern nicht nur die Produktion einer ausreichenden Milchmenge, sondern reduzieren
auch die Häufigkeit von wunden Brustwarzen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit für
eine längere Stilldauer. Mütter sollten nach Bedarf und nicht nach einem Zeitplan
stillen.
Die Förderung des Stillens und der gesunden Säuglingsernährung ist ein wichtiger Bereich
der Gesundheitsförderung und Prävention.
Risiko beim Tättowieren
Gesundheitsrisiko durch Tätowierungspigmente
In der westlichen Welt tragen mehr als 100 Mio. Menschen eine Tätowierung. Für farbige Tätowierungen werden zum Teil sehr komplexe Moleküle in die Haut eingebracht. Durch Sonnenlicht oder im Zuge einer Lasertherapie kann es zur Spaltung dieser Pigmente in toxische oder sogar krebserregende Substanzen kommen. Ein neues Verfahren ermöglicht es, die eingebrachten Pigmente quantitativ zu bestimmen.
Wie viele Menschen tragen eine Tätowierung?
In den letzten Jahren sind Schmucktätowierungen und permanent-Make-up (tätowierte Lidstriche, Lidschatten und Lippenkonturen) vor allem unter Jugendlichen enorm populär geworden. Nach einer aktuellen Umfrage aus den USA, veröffentlicht im Juni 2006, sind 24% der Befragten tätowiert, die Zahlen in Europa sind ähnlich. In Deutschland haben laut einer Umfrage des demoskopischen Instituts Allensbach von 2003 etwa 9% der Bevölkerung mindestens eine Tätowierung, bei jungen Menschen (Alter: 16-29) sind es 23%. Dadurch hat die Zahl der tätowierten Menschen in Deutschland eindeutig die 7-Mio.-Grenze überschritten.
Pigmente aus Autolacken besonders beliebt
Viele farbige Pigmente, die zum Tätowieren verwendet werden, wurden ursprüngliche zum Färben oder Lackieren von Konsumgütern produziert (z.B. für Autolacke). Die Tätowierer setzen diese Pigmente gern ein. Weil sie nahezu unlöslich sind und damit für eine brillante, beständige Tätowierung in der Haut sorgen. Bis vor Kurzem waren nur wenige Daten zur chemischen Struktur von Tätowierungsfarbstoffen bekannt. In der Vergangenheit wurden häufig anorganische Pigmente wie Titandioxid (weiß), Cadmiumsulfid (gelb), Chromoxid (grün), Cadmiumselenid (rot) und Eisenoxide (schwarz) verwendet. Neuere Untersuchungen an handelsüblichen farbigen Tätowierungspigmenten haben gezeigt, dass diese im Wesentlichen aus industriellen organischen Pigmenten in Form von Azo- oder polyzyklischen Verbindungen bestehen. Eine erste repräsentative Marktrecherche über schwarze Tätowierungsfarbstoffe hat ergeben, dass diese hauptsächlich aus „carbon black“ (Ruß) und Nebenprodukten der Rußherstellung bestehen.
Mögliche Gesundheitsgefahren durch Tätowierungsfarben
Zunächst scheint es, daß Tätowierungspigmente in der Haut in der Regel gut vertragen werden. Allerdings kommt es dann doch immer wieder zu unerwünschten Reaktionen, die seit Jahren in der Fachliteratur beschrieben werden. Dazu zählen insbesondere allergische oder Fremdkörperreaktionen. Besonders häufig scheinen rote Tätowierungspigmente unerwünschte Reaktionen in der Haut auszulösen. Eine neue Übersicht zu unerwünschten Hautreaktionen ist in einem Bericht der europäischen Kommission zu finden. Inzwischen wird in der medizinischen Fachliteratur auch über das Auftreten von Hauttumoren nach Tätowierungen berichtet, ein ursächlicher Zusammenhang ist jedoch derzeit nicht nachgewiesen.
Einfluss des Sonnenlichts auf Tätowierungen
Von zunehmendem Interesse ist der Einfluss von Sonnenstrahlung auf Tätowiererfarbstoffe. So konnte kürzlich am National Center for Toxicological Research, U.S.Food & Drug Administration, mittels Solarsimulatoren in vitro nachgewiesen werden, dass UV-Licht bestimmte Azo-Pigmente, wie das weit verbreitete gelbe Pigment (Pigment yellow 74;PY 74), spalten und kanzerogene Amine erzeugen.
Die Toxizität und Karzinogenität chemischer Verbindungen und ihrer lichtinduzierten Spaltprodukte hängen unter andrem von deren Konzentration in der Haut ab. Bedenkt man, dass sich viele tätowierte Menschen in der Sonne aufhalten, bzw. sich einer medizinisch indizierten Therapie mit UV-B-Licht unterziehen, ist es wichtig, die Konzentration von Tätowierungspigmenten in der Haut zu bestimmen. Damit könnte man eventuelle Risiken einschätzen. Bisher war völlig unklar, welche Menge an Pigment beim Tätowieren in die Haut eingebracht wird.
Lasertherapie und Tätowierungen
Seit Jahren werden Tätowierungen im Rahmen der medizinischen Lasertherapie mit hochintensiven Lichtimpulsen gütegeschalteter Laser entfernt. Das Risiko der Narbenbildung ist dabei in den meisten Fällen relativ gering. Ziel dieses gewebeschonenden Verfahrens ist es, die in der Dermis liegenden Kristalle aus Tätowierungspigment soweit zu verkleinern, dass sie über das Gefäßsystem abtransportiert werden können. Die dabei entstehenden Spaltprodukte können jedoch toxisch oder krebserregend sein.
Die Verminderung der Pigmentkonzentration in der Haut führt in der Regel zu einer sichtbaren Aufhellung der Tätowierung. Klinische Studien haben gezeigt, dass der Behandlungserfolg neben der Pigmentkonzentration unter anderem auch von der Pigmentfarbe abhängt.
Wie viel Farbstoff wird in die Haut gestochen?
Das Einschätzen von Gesundheitsgefahren durch Tätowierungsfarben und deren lichtinduzierte Spaltprodukt setzt voraus, dass man die Menge an Farbpigmenten kennt, die in die Haut eingebracht werden. Die Menge an Pigment pro tätowierte Fläche war bislang unbekannt. Die Quantifizierung von Pigmenten und deren möglichen Spaltprodukten setzt voraus, dass diese Substanzen aus der Haut wiederextrahiert werden können. Bisher gab es keine Methoden, diese zum Teil schwerlöslichen Verbindungen quantitativ aus Hautgewebe zu extrahieren.
Keine gesetzlichen Kontrollen und Auflagen
Seit Jahrhunderten lassen sich Menschen mit unterschiedlichsten Farbmitteln tätowieren. Die dabei in die Haut eingestochenen Substanzen unterliegen bislang keinerlei gesetzlicher Kontrolle. Deshalb sollte die Zusammensetzung der Farbmittel offengelegt werden. Die verwendeten Substanzen sollten gesundheitlich unbedenklich sein, zumindest nach den Regeln der Kosmetikverordnung. Beides ist trotz der Millionen von Betroffenen bis heute nicht der Fall. Aufgrund einer Initiative des Europaparlaments von 2003 hat das Scientific Committee on Cosmetics and Non Food Products eine Expertengruppe beauftragt, den Stand der Dinge zu evaluieren. Auch sollen mögliche Schritte hinsichtlich einer gesetzlichen Kontrolle von Tätowierungen und der dabei verwendeten Substanzen beraten werden. Leider ist das Inkrafttreten einer europaweiten Regelung noch immer nicht absehbar.
In Deutschland gelten für das Tätowieren und die dabei verwendeten Substanzen neuerdings zumindest die Vorschriften des Lebensmittel-und Futtermittelgesetzbuchen, da es sich bei Tätowierungspigmenten weder um Kosmetika noch um Arzneimittel handelt. Interessanterweise ist der Einsatz vieler der verwendeten Tätowierungspigmente auf der Hautoberfläche durch die Kosmetikverordnung verboten (Annex IV der Cosmetics Derivative oft he EU) – werden diese Stoffe aber in die Haut eingestochen, gibt es bislang keine Einschränkung.
Quelle: Haut/ Juni/2008/photocase.de