Die kosmetische Hautbeurteilung
Die Hautbeurteilung als Grundvoraussetzung kosmetischer Behandlungen
Die Beurteilung der Haut ist die Grundvoraussetzung für jede kosmetische Behandlung und für jede Beratung des Kunden über notwendige kosmetische Präparate. Sie hat grundsätzlich vor jeder Erstbehandlung zu erfolgen, ist aber auch danach in regelmäßigen Abständen zu wiederholen. Keine Haut bleibt über Jahre hinweg gleich, Hautzustände verändern sich ständig.
Grundprinzipien der Hautbeurteilung
Die Hautbeurteilung beruht, ähnlich wie die Beurteilung von Haar und Kopfhaut, auf drei Grundprinzipien:
- Sehen, Betrachten: Das Auge des Kosmetikers ist eines der besten Hilfsmittel für die Hautbeurteilung. Es kann in seiner Wirksamkeit noch durch Verwenden einer Lupe oder besser einer Lupenleuchte unterstützt werden, aber auch durch Anwenden einer speziellen Lampe, die ultraviolettes Licht abstrahlt, das in seiner Wirkung für das Auge nicht schädlich ist und mit einer Lupe gekoppelt ist. Im Schein des UV-Lichtes dieser sogenannten ” Lupen-Lampe” treten Hautveränderungen und besondere Hautbezirke noch deutlicher hervor
- .Befühlen: Das Tastgefühl ist besonders nützlich, wenn es darum geht, die Hautspannung, Hautfettung und bestimmte Hautveränderungen zu untersuchen.
- Befragen: Manche Informationen über den Hautzustand des Kunden erhält man nur durch Befragen. Sehr oft kennt der Kunde seine Hautprobleme selbst recht gut. Eine geschickte Befragung sollte ihn in seinem Bemühen unterstützen, diese Probleme so auszudrücken, daß der Kosmetiker die wesentlichen Informationen erhält.
Die Vorabbefragung – Anamnese
Die Vorabbefragung des Kunden, die die Hautbeurteilung stets einleitet, ist unbedingt notwendig, um die Hautprobleme des Kunden kennenzulernen und weitere Informationen zu erhalten, die für den Kosmetiker von Bedeutung sein können. In diesem Vorabgespräch erkundet man zunächst wichtige Daten, wie etwa Beruf oder Tätigkeit des Menschen, Alter, Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, besondere Hautprobleme in der Vergangenheit und Gegenwart, eventuell bekannte Unverträglichkeiten gegenüber verschiedenen Stoffen verwendete kosmetische Mittel. Da eine derartige Erkundung immer stark in die Intimsphäre des Kunden eingreift, ist von seiten des Kosmetikers viel Einfühlungsvermögen und Takt notwendig.
Methoden zur Beurteilung der Gesichtshaut
Eine umfassende Beurteilung der Gesichtshaut sollte nur dann erfolgen, wenn die Haut für einige Stunden frei von jeder Behandlung und von kosmetischen Mitteln geblieben ist. Die Haut sollte also frei sein von Make-up-Präparaten oder Hautcremes. Andernfalls ist eine Bestimmung der sogenannten ” Tätigkeitsmerkmale”, insbesondere der Talgabsonderung, nicht möglich. Es können dann nur Teilaussagen über die Beschaffenheit und den Zustand der Haut getroffen werden. Bei der gesamten Beurteilung der Gesichtshaut ist zu bedenken, daß die Haut ein Organ mit ungewöhnlich großer Flächenausdehnung und vielen Funktionen ist, die sich gegenseitig beeinflussen. Die Haut paßt sich daher den verschiedensten Umwelteinflüssen an, und deshalb sind die Beobachtungen und Messungen durch äußere Einflüsse mitbedingt. Jede Hautbeurteilung gibt immer nur einen punktuell gewonnenen Eindruck vom gegenwärtigen Zustand der Haut. Rückschlüsse für eine längere Zeit können daraus nur schwer getroffen werden.
Die Gesichtshaut wird auf verschiedene wichtige Erscheinungen hin untersucht, wie Tätigkeitsmerkmale ( dies sind Auswirkungen der Talg- und Schweißdrüsen, die in der Haut arbeiten, ferner des Blutgefäßsystems und des Nervensystems), Hautrelief (Beschaffenheit der Hautoberfläche), Spannungszustand der Haut sowie entzündliche und nichtentzündliche Hautveränderungen.
Die Talgabsonderung der Gesichtshaut, also die Frage, ob eine Haut eher fettig, normal oder trocken ist, wird durch mehrere Methoden überprüft. Ein Blick auf den Glanz der Haut läßt oft Rückschlüsse auf die Talgabsonderung zu. Mattes oder stumpfes Aussehen spricht eher für eine trockene Haut, ein hoher Fettglanz eher für eine übermäßig fettige Haut; normale Haut zeigt meist einen typischen, matten Glanz. All dies kann aber auch täuschen. Eine vorübergehende hohe Schweißabsonderurig, etwa bei starker Hitze, kann ebenfalls einen starken öligen Talgausstoß hervorrufen, der selbst bei einer normalen Haut den Eindruck von zu fettiger Haut vorspiegelt.
Auch die Porengröße, beurteilt mit bloßem Auge oder unter der Lupe, gibt Hinweise -große Poren deuten auf eine mehr fettige Haut hin, kleine Poren auf normale oder trockene Haut. Nach einer vorhergehenden Seborrhoe aber, die bereits nicht mehr besteht, sind die Poren aber bei sonst “normaler” Hautbeschaffenheit noch immer vergrößert! Hautunreinheiten, wie Komedonen ( dies sind Verstopfungen der Talgdrüsen, bei denen der Talgpfropf oft an den Follikelausgängen schwarz oder braun gefärbt ist), Pickel und Pusteln sprechen für eine eher fettige Haut, obwohl solche Unreinheiten auch bei normaler Haut manchmal auftreten. Die behaarte Kopfhaut sollte immer in die Untersuchung mit einbezogen werden. Eine dort bestehende Seborrhoe ist zumeist auch Anzeichen für eine Seborrhoe im Gesichtshautbereich. Zur genaueren Untersuchung fährt man mit den Fingern über die Gesichts- und Kopfhaut; dabei sollte insbesondere die Stirn, die Nasen- und Kinnrille und der Haaransatz an der Stirn einbezogen werden. Man fühlt dabei sehr gut, ob sich die Haut glatt oder rauh anfühlt, fettig oder trocken.
Oft helfen auch Abdruckmethoden weiter. Preßt man ein Stück feines Teintpapier auf die Haut, so können entstehende Fettflecken auf fettige Haut schließen lassen. Auch die Probe mit einem Objektträger kann Aufschlüsse geben. Man drückt dazu einen Objektträger, wie man ihn zum Mikroskopie- ren verwendet (Achtung! Nur Gläser mit geschliffenen Rändern benutzen!), auf die Haut und hebt ihn nach einigen Sekunden vorsichtig ab. Dies muß an verschiedenen Hautbezirken mit unterschiedlichen Objektträgern geschehen, um ein Gesamtbild zu erhalten. Gegen das Licht betrachtet, erkennt man einen Fleck, bestehend aus Hauttalg und Schweißtröpfchen, diese allerdings verdunsten sehr bald. Aus der Beschaffenheit des Fleckes kann man bei viel Erfahrung auf eine zu fette oder trockene Haut schließen. Erscheint nur ein sehr schwacher Fettfleck, so ist die Haut eher normal bis trocken; sind die Abdrücke deutlich und kräftig, so ist die Haut eher fettig. Allerdings sind die Abdrücke sehr schwer zu deuten, man benötigt viele Vergleiche, um überhaupt Aussagen machen zu können. Man muß auch bedenken, daß der Hauttalg, der bei Hauttemperatur (rd. 30-33 °C) normalerweise flüssig-ölig ist, auf der Glasplatte erstarrt.
Es können also nicht, wie oft behauptet, Rückschlüsse auf die Beschaffenheit des Hauttalgs vorgenommen werden. Die Aussage, daß eine stark fettige Haut auch eine verstärkte Schweißabsonderung aufweist, trifft nur in gewissem Maße zu. Die Stärke der Schweißabsonderung hängt noch mehr von Außenbedingungen ab, als die Talgabsonderung; bei großer Wärme oder Hitze sind beide vermehrt. Es ist aber schwierig und aufwendig, die Schweißabsonderung so zu prüfen, daß gültige Aussagen getroffen werden können. Bei allen Aussagen über eine zu fettige oder zu trockene Haut ist auch zu bedenken, daß der Grad der ” Trockenheit” der Haut nicht nur von der Absonderung an Hauttalg, sondern auch vom Feuchtigkeitsgehalt der obersten Lagen der Epidermis beeinflußt wird.
Unter der ” Lupen-Lampe”, die langwelliges ultraviolettes Licht ausstrahlt, erscheint eine “normale Haut” blauviolett, eine sehr feuchtigkeitsarme, trockene Haut eher schwach violett, weißlich. Die Durchblutung der Haut ist ebenfalls schwer zu überprüfen, da bei sehr dicker Epidermis die Blutgefäße weniger durch die Haut hindurchschimmern als bei dünner. Man beurteilt daher die Durchblutung am besten an den Schleimhäuten, etwa der Augenschleimhaut. Dazu hebt man das Augenlid kurz vom Augapfel ab -die dünne innere Augenschleimhaut läßt sehr gut die Blutgefäße durchscheinen. Man kann aus dem unterschiedlichen Aussehen der Schleimhaut Rückschlüsse auf die Hautdurchblutung ziehen -ähnlich macht es auch der Arzt. Bedenken muß man aber, daß die augenblickliche körperliche Verfassung eine große Rolle spielt und keine Aussagen möglich sind, ob die Haut grundsätzlich schlecht durchblutet ist oder nur im Augenblick. Hier muß man ein und denselben Kunden schon über einen längeren Zeitraum beobachten und immer wieder Vergleiche anstellen.
Die Empfindlichkeit der Haut prüft man meist durch die sogenannte “Hautschreibung” (Dermographismus). Dazu streicht man an der Stirn, der Wangen- und Halspartie mit einem Plexiglasspatel unter leichtem Druck kreuzförmig über die Haut. Nach kurzer Zeit tritt eine Rötung entlang der Drucklinien auf, die bei empfindlicher Haut in eine “Quaddelbildung” übergeht, wobei die Haut entlang der Drucklinien mehr oder weniger stark anschwillt. Manchmal aber entsteht entlang der Drucklinien keine Rötung, sondern es bilden sich weiße Linien. Bei entsprechendem Druck tritt der Effekt der Hautschreibung bei jedem Menschen auf. Bei etwa gleichem Druck reagieren die Menschen verschieden auf die Hautschreibung und man kann daraus gewisse Rückschlüsse auf die Hautempfindlichkeit ziehen (dies ist besonders wichtig für spätere Massagen usw.). Die weiße Reaktion tritt meist bei Menschen mit bestimmten Ekzemen auf.
Die Porengröße beurteilt man am besten mit der Lupenleuchte an den verschiedenen Hautpartien (Stirn, Nasenpartie, Wangen, Mundumgebung, Kinnpartie). Große, tiefe Poren sprechen oft für eine Seborrhoe oder eine überstandene Akne. In diesem Zusammenhang prüft man auch andere Besonderheiten des Hautreliefs, z. B. Narben, die im Bereich der Gesichtshaut oft das betrübliche Endergebnis von Akne sind .
Die Spannung (Elastizität) der Haut prüft man herkömmlicherweise mit zwei einfachen Verfahren. Bei der Prüfung am unteren Augenlid hebt man die quer verlaufenden Augenfalten mit zwei Fingern hoch und drückt eine Querfalte ein. Je nachdem, wie lange die Falte nach dem Loslassen erhalten bleibt, kann man Schlüsse auf die Hautspannung ziehen. Auch das Verschieben der Haut unterhalb der Augen zur Nasenwurzel hin gibt, je nachdem wie schnell die Haut alte Lage wieder einnimmt, Informationen über die Hautspannung.