Richtig Zähne putzen – eine kleine Geschichte
Handzahnbürsten
Etwa 80 Prozent der Deutschen benutzen zur täglichen Mundpflege eine Handzahnbürste. Und ihre Entwicklung ist in den letzten Jahrzehnten rasant vorangeschritten: Kleinere und abgewinkelte Bürstenköpfe, verfeinerte Borsten und gebündelte Büschel sind nur einige Beispiele. Verblassende Indikatorborsten zum rechtzeitigen Wechsel der Bürste, schräg gestellte CrissCross-Borsten zur noch gründlich-
eren Plaque-Entfernung oder spezielle Zahnbürsten für verschiedene klinische Bedürfnisse stellen die derzeit fortschrittlichsten Entwicklungen dar. Doch bei aller Produktvielfalt wird bei der systematischen Anwendung der Zahnbürste noch immer vieles falsch gemacht, und auch das Bewusstsein zum regelmäßigen Wechsel der Bürste ist noch weit unterentwickelt.
Gerade einmal 46 Sekunden
werden durchschnittlich für den Vorgang des Zähneputzens aufgewendet. Viel zu kurz, wie Zahnärzte beklagen: Sie fordern eine Mindestputzdauer von 2 Minuten. Es wird also derzeit nur etwas mehr als ein Drittel der von ihnen empfohlenen Putzzeit in deutschen Haushalten erreicht.
Die Anwendung einer falschen Putztechnik
zählt ebenfalls leider noch zur Regel: So führt die große Mehrheit der Zahnbürstenbenutzer horizontale Schrubb-Bewegungen durch und drückt dabei auch zu fest auf – eine weniger wirksame und potenziell auch zahnsubstanzschädliche Vorgehensweise. Erst die Kombination von rüttelnden, von „Rot“ (vom
Zahnfleisch kommend) nach „Weiß“ (zur Zahnkrone hin), und kreisenden Bewegungen entspricht der reinen zahnärztlichen Lehre (die so genannte „Bass-Technik“, Anleitung siehe Ende des Beitrags) – eine Technik, die derzeit aber nur von den wenigsten Menschen tatsächlich beherrscht wird.
Die Systematik ist genauso wichtig wie die Technik
– sagen Experten, d.h. sie raten zu einer Reihenfolge der Reinigung nach Zahnoberflächen und Gebissabschnitten. Allgemein empfohlen wird dabei die KAI-Putzsystematik: Dazu werden die Zähne in der Reihenfolge Kauflächen, Außenflächen, Innenflächen gereinigt
Durchschnittlich nur etwa 2 Zahnbürsten
verbrauchen die Deutschen im Jahr. Zu wenig, warnen Zahnärzte: Sie empfehlen einen Wechsel der Zahnbürste spätestens nach 3 Monaten, also einen Verbrauch von 4 Stück im Jahr, um stets eine optimale Wirkung mit dem Produkt zu erzielen. Hintergrund ist, dass nach 3 Monaten die Borsten meist ausgespreizt und abgenutzt sind, nicht mehr gründlich reinigen und sogar das Zahnfleisch verletzen können. Aufgrund der bakteriellen Belastung empfehlen einige Experten sogar ein noch kürzeres Wechselintervall – und nach einer Erkältung sollte die Bürste sofort ausgetauscht werden.
Die Zahnbürste als High-Tech-Gerät
ist das Produkt zahlreicher Entwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnte: Kleinere, abgewinkelte oder geteilte Bürstenköpfe sowie ergonomischere Griffe sind ebenso das Ergebnis intensiver Forschungsarbeit wie neue Borstenkonfigurationen mit gebündelten Büscheln und verfeinerten Borsten, die zum Beispiel durch Verblassen den rechtzeitigen Zeitpunkt zum Bürstenwechsel anzeigen oder schräg gestellt sind für eine noch effizientere Pflege.
So werden inzwischen viele unterschiedliche Zahnbürstenmodelle angeboten, die sich nach den persönlichen Vorlieben und klinischen Bedürfnissen des Anwenders richten. Der Fortschritt in der Handzahnbürstentechnologie wurde dabei auch durch neue Herstellungsverfahren und hochtechnologische Bestopfungstechniken unterstützt, die eine Massenfertigung mit großer Exaktheit und minimalen Qualitätsabweichungen ermöglichen.
Die ersten Anfänge der Zahnreinigung
lassen sich zwar kaum klären, doch wenden noch heute einige Naturvölker ursprüngliche Strategien an, wie die Benutzung fingerdicker, an einem Ende ausgefranster Stöcke aus weichem Wurzelholz. Ähnliche Beispiele finden sich aus geschichtlicher Zeit bei den Ägyptern – sie nahmen diese Hilfsmittel vereinzelt sogar mit ins Grab, was bereits von einer hohen Wertschätzung gesunder und schöner Zähne zeugt. Die Griechen verrieben mit den Fingern ein Pulver auf den Zähnen und benutzten Zahnstocher.
Die Römer wiederum gebrauchten Zahnpulver aus Bimsstein und Marmorstaub, und ohne besonderes Instrument wurden die Zähne mit einem Leinenlappen oder mit den Fingern abgerieben. Bis ins Mittelalter erfuhren die Reinigungstechniken der Antike dann keine wesentlichen Änderungen. Ganz im Gegenteil: Vielfach ging altes Wissen verloren – in weiten Teilen der mittelalterlichen Bevölkerung wurde die Mundpflege stark vernachlässigt.
Die Zahnbürste ist eine chinesische Erfindung
– denn nicht in Europa, sondern im Reich der Mitte tauchte sie vor über 500 Jahren erstmals auf. Zunächst fand sie auch nur in China breite Verwendung, ihr Siegeszug in der Alten Welt sollte noch Jahrhunderte auf sich warten lassen. In Europa wird sie zwar erstmals im Jahr 1649 erwähnt, doch setzte sich ihr Gebrauch nur zögerlich durch. Noch immer bevorzugten weite Teile der Bevölkerung in der Alten Welt die Pflege der Zähne mit Federkielen oder anderen Behelfsmitteln. Erst im 18. und 19. Jahrhundert konnte sich die Zahnbürste langsam etablieren – bestückt wurde sie dabei bis weit ins 20. Jahrhundert meist mit Schweineborsten.
Die Umstellung von der Naturborste zum Nylon
stellt einen Meilenstein in der Geschichte der Mundpflege dar. Denn den Schweineborsten hafteten buchstäblich Nachteile an: Tierhaare sind nicht nur spitz und hart (und können somit das Zahnfleisch verletzen), sondern speichern in den Hohlräumen auch Feuchtigkeit – damit sind sie ideale Brutstätten für Bakterien und Pilzsporen, was wiederum Mundinfektionen
begünstigt. Erst als in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts das Nylon erfunden wurde, kam eine Lösung des Problems in Sicht. 1938 wurden die synthetischen Filamente erstmals zur Verfeinerung der Zahnbürste genutzt – Biegefestigkeit, Elastizität und Feuchtigkeitsresistenz qualifizierten sie gegenüber der Naturware.
Das Zähneputzen mit endgerundeten Borsten
ist heute Standard in der Mundpflege. Denn von den zunächst steifen und kantigen Nylonborsten gingen Gefahren einer Verletzung des Zahnfleischs sowie eines erhöhten Abriebs der Zahnhartsubstanz aus. Dies sollte sich erst im Jahre 1950 ändern, als die erste Zahnbürste mit
endgerundeten, weichen Nylonborsten hergestellt wurde. Zunächst wurden die Bürsten noch vom Erfinder Dr. Robert Hutson selbst über den Postweg vertrieben. Doch entstand aufgrund der großen Nachfrage schnell ein florierendes Unternehmen (Oral-B).
Ein planes Borstenfeld
wird von Zahnärzten zur Pflege der Zähne nach der so genannten „Bass-Putztechnik“ (Anleitung siehe S. 16) empfohlen. Mit einem solchen „Multitufted“-Borstenfeld wird aber ein durchschnittlicher Zähneputzer in der Regel nicht so ein gutes Ergebnis erzielen wie mit einer Zahnbürste mit anderer Borstenkonfiguration – zum Beispiel schräg stehenden, so genannten „CrissCross“-Borsten.
Die höhere Effizienz wird allerdings nur dann erreicht, wenn der Neigungswinkel der Borste größer als 12 Grad ist. Nach zahlreichen Versuchen mit unterschiedlichen Konfigurationen stellte sich schließlich ein Winkel von 16 Grad als optimal heraus – und ging so in die Konstruktion einer ersten Handzahnbürste mit CrissCross-Borsten ein. Diese entfernte durch die neuartige Borstenkonfiguration Plaque im Zahnzwischenraum, am Zahnfleischrand und im Bereich der hinteren Backenzähne besonders effektiv.
„CrissCross“-Borsten
sind schräg stehend und kreuzweise auf dem Bürstenkopf angebracht, um optimal auf der Zahnoberfläche ansetzen zu können. Dabei biegen sie sich und dringen bis tief in die Zahnzwischenräume vor – die Plaque zwischen den Zähnen wird gelöst, auf die Zahnoberfläche gebracht und weggebürstet. Bei der Rückwärtsführung dringen die Borsten dann in entgegengesetzter Richtung erneut in die Zahnzwischenräume ein, um Plaque zu entfernen. Zur Entwicklung entsprechender Zahnbürsten mit CrissCross-Borsten kam auch ein fortschrittlicher Putzroboter zum Einsatz: So wurden mit der Hochgeschwindigkeits-Fotografie der Weg einer einzelnen Borste und ihr Kontakt mit den Zähnen genau verfolgt. Dabei wurden auch die Vorteile der längeren Kontaktzeit mit dem Zahn und dem tieferen Eindringen in die Räume zwischen den Zähnen durch die Schrägstellung der Borsten dokumentiert.
Zur Stimulation des Zahnfleischs
– und damit zur Vorbeugung von Zahnfleischerkrankungen und Gesunderhaltung des Gewebes insgesamt – unterstützen bei bestimmten Zahnbürstenmodellen zusätzliche Gummifinger links und rechts am Rand des Bürstenkopfes den Zahnputzvorgang. Zu diesem Zweck gleiten die „Massage-
Finger“ flexibel am Zahnfleisch entlang und vitalisieren es sanft.
Mit einem „Power-Tip“
wird ein separates Borstenbüschel am oberen Ende des Bürstenkopfes bestimmter Handzahnbürsten beschrieben. Durch einen – bei einigen Modellen aus bis zu 730 Borsten bestehenden – Power-Tip lassen sich zum Beispiel auch Stellen hinter den Backenzähnen erreichen und von Plaque befreien.
Farbmarkierte Borsten
Vorgänge beim Putzen entfärben sich dann die blauen Borsten mit der Zeit – die Farbe ist dabei extra so „eingestellt“, dass sie bei zweimal täglichem und regelgerechtem Gebrauch der Zahnbürste nach 8 bis 10 Wochen zur Hälfte verblasst ist: Dann wird es langsam Zeit, die verwendete Zahnbürste gegen eine neue auszutauschen.
erinnern an den Zeitpunkt zum Auswechseln der Zahnbürste – und helfen so zu verhindern, dass der Benutzer mit uneffektiver gewordenen, ausgespreizten Borsten putzt. Die so genannten „Indicator“-Borsten werden mit einem patentierten Verfahren hergestellt, wobei blaue Speziallebensmittelfarbe die Borste bis zu einer definierten Tiefe erreicht.
Der Härtegrad
Mit „Micro-Struktur“-Borsten
sind bestimmte Zahnbürsten seit Mitte der 90er Jahren bestückt: Diese Borsten entfernen Plaque sowohl mit den Borstenseiten als auch mit den Borstenenden. Ein neuartiger Materialverbund und eine spezielle Technologie verleihen der Oberfläche eine zur Reinigung prädestinierte Mikrostrukturierung. Verglichen mit Standardborsten wird mit dieser Technologie eine verbesserte Plaqueentfernung erzielt.
der Borsten spielt nach Meinung vieler Experten keine so dominante Rolle bei der Auswahl der Zahnbürste. Dennoch wird wegen drohender Verletzungsgefahr allgemein davon abgeraten, sich die Zähne ausschließlich mit Bürsten zu reinigen, die harte Borsten aufweisen. Daher bieten einige Hersteller auch Zahnbürsten in verschiedenen Härtegraden an – insgesamt wird dabei ein Trend zu eher weichen Borsten verzeichnet.
Zahnbürsten zur besonders sanften Mundpflege
liegen immer mehr im Trend. Denn neben einer wachsenden persönlichen Vorliebe zum sanften Zähneputzen sprechen oftmals auch medizinische Gründe für eine besonders schonende Form der Mundhygiene. So leiden bis zu 40 Prozent der Bevölkerung an hypersensiblen Zähnen, wenn diese mit Kaltem, Heißem, Süßem oder Saurem in Kontakt kommen, unter anderem bedingt durch freiliegende Zahnhälse nach Rückbildung des Zahnfleischs. Wird von Patienten mit gereiztem Zahnfleisch nicht mehr ausreichend gründlich geputzt, erhöht sich die Gefahr einer solchen Rückbildung – ein unerwünschter Kreislauf wird so in Gang gesetzt.
Einige Hersteller bieten daher spezielle Zahnbürsten zur so genannten „sensitiven“ Mundpflege an: Zum Beispiel entfernen extra-weiche, endgerundete und patentierte SoftCare-Borsten auf einem planen Borstenfeld effektiv Plaque und schonen dabei Zähne und Zahnfleisch. Ein Power-Tip an der Spitze des Bürstenkopfes sowie ein rutschfester Griff unterstützen zusätzlich die präzise Handhabung einer solchen Handzahnbürste.

Auch zur natürlichen Aufhellung der Zähne
wurden Zahnbürsten mit speziellen Borstenfeldern entwickelt. Dabei bilden längere spiralförmig angeordnete Borsten eine Vertiefung und halten auf diese Weise die Zahncreme für eine intensivere Wirkung länger auf dem Bürstenkopf. Dicht angeordnete zentrale Borsten polieren gleichzeitig die Zahnoberflächen und entfernen so in Kombination mit der Zahncreme oberflächliche Verfärbungen – für natürlich weißere Zähne.
Speziell für Träger von festen Zahnspangen
und anderen kieferorthopädischen Apparaturen wurden wiederum Handzahnbürsten mit kürzeren, härteren Innenborsten zur effektiven Reinigung der Multibänder und so genannten „Brackets“ (festsitzende Zahnspangen) entwickelt.
für die Reinigung der Außenbögen sowie ein keilförmiges Borstenfeld, das auch die schwer zugänglichen Stellen der Innenbögen erreicht – beides wird zum Beispiel in Form einer Prothesenbürste mit Doppel-Bürstenkopf angeboten.
Zahnbürsten für Kinder
sollten hingegen immer über besonders weiche Borsten für eine schonende und dennoch gründliche Zahnreinigung, einen geeigneten Griff zur einfachen Handhabung für Kind und Eltern sowie einen gepolsterten Bürstenkopf zur sicheren Anwendung im Mundraum verfügen. Um die Motivation zu steigern, weisen die meisten Modelle bunte Farben oder kindgerechte Motive auf den Handstücken auf. Einige Anbieter haben auch altersgerechte Zahnbürstenkonzepte entwickelt, die den verschiedenen Entwicklungsstufen des Kindes Rechnung tragen. Die einzelnen Varianten orientieren sich dabei an der motorischen und gebissanatomischen Entwicklung des Kindes vom Baby- bis ins Schulalter (z.B. Oral-B Stages).
Expertenstatements
Prof. Dr. Andrej M. Kielbassa:

Direktor der Zahnerhaltungskunde und Parodontologie
Campus Benjamin Franklin, Charité-Universitätsmedizin Berlin
Die Zahnbürste wird in der Regel noch zu selten benutzt und auch meist nicht optimal angewendet. Hinzu kommt, dass Zahnbürsten nicht rechtzeitig ausgewechselt werden. Nur etwa zwei Handzahnbürsten werden im Durchschnitt pro Jahr und Patient verwendet – dabei zeigen klinische Studien, dass abgenutzte Zahnbürsten wesentlich weniger effizient sind als neue.
Prof. Dr. Andrej M. Kielbassa
Zahnarzt und Dozent an der Steinbeis-Universität Berlin
Die systematische Zahnreinigung ist genauso wichtig wie die Putztechnik. Das heißt, die Reihenfolge beim Zähneputzen, beginnend mit den Kauflächen, dann die Außenflächen bis zu den Innenflächen der Zähne ist ebenso einzuhalten wie auch die Regel, dabei mit kreisenden Putzbewegungen von Rot nach Weiß zu putzen. Das planlose Schrubben, wie es weit verbreitet ist, lässt viele Gebiss-Stellen unberührt und kann sogar einen Abrieb des Zahnschmelzes und Verletzungen des Zahnfleischs hervorrufen. Zudem empfehle ich einen Zahnbürstenwechsel bereits nach ungefähr zwei Monaten – die Qualität der Borsten ist sicher unproblematisch, aber es steigt die bakterielle Belastung der Bürste.
Auf die Reihenfolge kommt es an
„KAI – Putzsystematik“
Zahncreme auftragen
Zu Beginn des Zähneputzens wird eine kleine Menge Zahncreme auf den Bürstenkopf aufgetragen.

Kauflächen
Begonnen wird mit der Reinigung der Kauflächen. Dabei wird die Zahnbürste sanft hin- und herbewegt.
Außenflächen
Anschließend wird die Zahnbürste an die Außenflächen der Zähne angelegt und der Belag mit kurzen, sanften Auswischbewegungen von „Rot“ nach „Weiß“ entfernt.
Innenflächen
Die Zahnbürste wird an den Innenseiten entlang geführt. Die unteren Schneidezähne sollten dabei besonders gründlich gereinigt werden, da sich hier leicht Zahnstein bildet. Dazu wird die Zahnbürste senkrecht gehalten, und es wird wieder von „Rot“ nach „Weiß“ geputzt.
Richtig Zähne putzen
mit der „Bass-Technik“
Winkel
Die Zahnbürste wird im Winkel von etwa 45 Grad am Übergang Zahnfleisch-Zahn an der Zahnoberfläche angesetzt.
Putzbewegung
Comments
3 Responses to “Richtig Zähne putzen – eine kleine Geschichte”







Super informativ zum Thema Zähne!
Danke!!
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[...] übers Zähneputzen, die richtige Zahnbürste und die richtige Putztechnik findet Ihr in einem Blogeintrag der [...]